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Wie Glaubenssätze dir dein Potenzial rauben.

 

Gerade im Themenbereich Persönlichkeitsentwicklung, Wachstum, Therapie, Beratung kommst du an einem Begriff nicht vorbei:

 

GLAUBENSSÄTZE

 

Es wird immer von Glaubenssätzen gesprochen, dass diese aus der Kindheit stammen und man diese "überwinden" muss, um wachsen zu können. Das es Sätze sind, die dir Eltern, Freunde und Bezugspersonen mitgegeben haben.

 

Wahrscheinlich werden dir ein paar Sätze in den Sinn kommen, die du nun damit verknüpfst, aber ist das nun wirklich ein Glaubenssatz, wie gehe ich denn damit um, wie werde ich sie wieder los? Und muss das denn überhaupt weg, wenn ich "sowas" hab?

 

Diesem Thema möchte ich mich heute widmen und dich etwas aufklären, wie ich, aus meiner Gestalt-Haltung heraus, die Glaubenssätze sehe.

 

Nehmen wir doch erstmal das Wort auseinander "Glaubens-Satz", also ein Satz, den man glaubt. Simpel erklärt, trifft es auf den Punkt.

 

In der Gestaltberatung/-therapie geht man noch etwas weiter mit der Definition. Hier wendet man den Begriff "Introjekt" oder "Introjektion" an.

 

Das Wort "Introjektion" ist ein neulateinisches Kunstwort und besteht aus "intro" -> "hinein" und "iactare" -> "werfen". Etwas in sich hinein werfen.

Dabei ist zu beachten, dass es geworfen wird, unzerkaut, unverdaut, man übernimmt Werte, Normen und Vorstellungen von anderen, wirft diese in sich hinein, ohne sich selbst damit befasst zu haben.

 

Man schluckt diese z.B. Sätze ohne diese an sich angepasst, d.h. integriert zu haben.

 

Man erlebt nicht mehr selbst, man übernimmt.

 

Nehmen wir diesen sehr bekannten Satz "das macht man halt so..." bezogen auf eine Aktion. Das hast du sicher schon gehört, Kinder hinterfragen oft noch, warum das jetzt gerade gemacht wird, als Erwachsener nehmen wir es eher achselzuckend hin... das macht man halt so.

 

Aus diesen geschluckten Werten und Aktionen ergeben sich langfristig aber größere "Probleme", die getarnt sind als eine Eigenschaft oder ein Umstand. Die betroffene Person kann sich das aber gar nicht erklären und erst recht nicht auf einen dieser Glaubenssätze zurückführen.

 

Du nimmst einen Umstand so hin, weil man es dir vorgelebt hat bzw. gesagt hat, dass man es so tut, alles andere wäre z.B. unhöflich. Es ist natürlich einfacher das Vorgelebte zu übernehmen ohne es zu hinterfragen, aber du nimmst dir so eine große Chance auf Wachstum und Erfahrung.

 

Ich möchte dir dies an einem Beispiel verdeutlichen, was ich häufig beobachte.

 

Viele Selbständige haben Probleme damit, sich zu zeigen, die Aufmerksamkeit auf sich und die Dienstleistung oder das Produkt zu lenken. Sie möchten nicht im Fokus stehen, möchten niemanden "auf die Nerven gehen", fühlen sich unwohl bei der Vorstellung "zur Rampensau" zu werden.

 

Das kann viele Gründe haben, ein Grund könnte z.B. sein, dass diese Person als Kind oder Heranwachsender eine sehr lebensfrohe und aktive Person war, die Eltern oder Lehrer dies aber abgestraft haben mit den Worten "du musst dich zurücknehmen" oder "stell dich nicht so in den Mittelpunkt, das gehört sich nicht.".

Auch der eigene Freundeskreis kann die Person durch Neid und Abneigung abgestraft haben, indem es Mobbing oder Meidung gab, manchmal reicht nur ein neckischer Nebensatz, der halt 2x zu viel fällt und man nimmt dieses Introjekt, schluckt es ohne es zu hinterfragen und schreibt sich dieses zu.

 

Dieses Introjekt führt nun dazu, dass die Person sich nicht traut, sich mehr zu zeigen, denn sie hat ja "gelernt", das dies Verhalten falsch ist und abgestraft wird.

 

Aufgrund des Introjekts bzw. Glaubenssatzes lebt die Person nicht ihr volles Potenzial, denn sie könnte weit mehr, das Produkt oder die Dienstleistung sind top und es fehlt nur noch die Bewegung hin zur Zielgruppe.

 

Manchmal erklären sich dies die Selbständigen auch indem sie sagen, das sie halt kein Verkaufstalent haben. Bist du vielleicht auch so jemand, der das von sich denkt? Dann frag dich mal, warum. Was verknüpfst du mit dem "Verkauf". Was lehnst du davon ab? Was sind deine Befürchtungen? Wo hast du dies vielleicht schon mal gehört?

 

So kommen wir auch direkt zu der Frage, wie wir denn mit solchen Glaubenssätzen eigentlich umgehen und ob "das überhaupt weg muss"?!

 

Meiner Meinung nach, ist es ein beschwerlicher Ansatz zu wissen, dass dies ein Glaubenssatz ist und sich dann einfach anders zu verhalten. Das mag kurzfristig funktionieren aber langfristig ist dies keine Lösung.

 

Greifen wir wieder das Beispiel mit dem oder der Selbständigen auf. Die Person kennt nun die Glaubenssätze, die sie davon abhalten, ihr Potential voll zu entfalten und handelt einfach anders.

Diesem Mut gehört an erster Stelle viel Respekt entgegen gebracht, es gehört viel dazu, sich diesen Sätzen, die auch Angst hervorrufen, entgegen zu stellen. Deswegen ist dies ein erster toller Schritt.

Die Person zeigt sich nun mehr und gibt Vollgas, jedoch spürt sie innerlich, dass es noch immer nicht ganz passt, das hält die Person längerfristig davon ab so weiterzumachen, und kann dazu führen, das sie wieder in alte Muster verfällt.

 

Ja was soll man denn dann machen?

 

Wenn wir einfach nur wissen, dass etwas da ist, und dies mehr oder weniger einfach ignorieren, uns darüber hinwegsetzen, führt dies zu keiner Integration, zu keiner Heilung.

 

Denn so verdauen wir diesen Glaubenssatz schon wieder nicht. Wir sehen ihn zwar an, manchmal eher flüchtig, stecken ihn dann aber schnell wieder weg und versuchen drum herum zu arbeiten. Das hat langfristig weniger Aussicht auf Erfolg.

 

Die Muster schleichen sich wieder ein, wir sind wieder am Anfang und vielleicht nun noch angsterfüllter vor diesem Glaubenssatz, weil beim letzten mal hat es ja auch nicht geklappt, vielleicht ist der Satz ja doch korrekt. Könnte man denken....

 

erkennen - entlarven - integrieren - wiedererkennen

 

Meiner Meinung nach ist der erste Schritt, den Glaubenssatz zu erkennen, sozusagen zu entlarven. Oft hat dieser Satz viele unterschiedliche Gesichter und Gewandungen, man glaubt gar nicht, in welchen Situationen diese Sätze manchmal eine Rolle spielen.

 

Dann sollten wir ihn uns genau anschauen. Einen richtigen Kontakt zu diesem Satz herstellen, unsere Gefühle wahrnehmen, erkennen in welchen Bereichen uns dieser Satz beeinflusst und all dies hinterfragen. Stimmt das wirklich, bin ich wirklich so? Frag mal deinen Partner oder guten Freund wie er das sieht. Aber am besten nicht die Person, die dir diesen Glaubenssatz eingetrichtert hat, der ist ja davon überzeugt.

 

Auch hier gehe wieder sehr respektvoll mit dir selbst um. Diese oft sehr alten Introjekte sitzen tief, das ist auch der Grund warum es oft einen "Rückfall" gibt.

Wir erhoffen uns oft, dass wir etwas erkennen können und dies dann weg ist. Dem ist leider oft nicht so, denn diese Glaubenssätze haben uns zu Verhaltensmustern bewegt, die einen Teil von uns ausmachen. Wir können uns nicht löschen, uns so verbessern das der Glaubenssatz einfach weg und wir nun "perfekt" sind.

Das wäre auch schade, denn gerade dies macht dich aus, macht sich menschlich, ist deine wertvolle Erfahrung.

 

Kommen wir zum vorletzten Schritt. Du hast nun überprüft ob der Satz zu dir passt, ob er stimmt oder nicht. Ändere dieses Satz, diese Norm oder Ansicht nun so, dass er zu dir passt. Mach Erfahrungen in dem Bereich, probiere dich aus oder wechsle mal die Perspektive. Nimm das was du daraus ziehst in dir auf, integriere das Gelernte, mach den Glaubenssatz zu deiner Erfahrung.

 

Zum Schluss wirst du zukünftig immer mal wieder mit solchen Erfahrungen konfrontiert, die dich an diesen Glaubenssatz erinnern. Der wird nie ganz verschwinden. Doch nun hast du die Macht über ihn. Es reicht schon aus, wenn du ihn erkennst und sagst...

 

"Hey... da bist du ja wieder, dich kann ich hier aber nicht gebrauchen, wir beide wissen das wir daraus gelernt haben und ich das anders sehe. Danke für die Lektion und nun mach ich wieder mein Ding."

 

Du erkennst ihn wieder und kannst deine Gefühle und Ängste nun dem alten Muster zuordnen und bist ihm so nicht mehr hilflos ausgeliefert. Deine Zeit und Erfahrung werden dir immer mehr Routine geben, damit du dies schneller schaffst.

 

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.

Franz Kafka

 

Wie immer ist es ein Prozess, ein Prozess des Erkennens, der Akzeptanz und Integration. Also eine mal mehr und mal weniger längere Arbeit an sich selbst, die dich jedoch ein ganzes Stück zu deinem wahren Selbst führt und dazu, dass du dein volles Potential ausschöpfen kannst.

 

Ich hoffe dieser Text konnte deinen Blick etwas klären, mein Rat lautet wie immer, diesen Weg mit deinem Gestaltberater/-therapeuten deiner Wahl zu bestreiten.

 

Bis bald,

 

Franziska

 

 

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