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Wie Übertragungen dich an deinem persönlichen Wachstum hindern.

Photo by Omar Lopez on Unsplash

 

Je länger ich mich mit dem Thema der "Übertragung" beschäftige, umso mehr wird mir bewusst, wie häufig wir von dieser "eingenommen und manipuliert" werden.

 

Als hätten wir es nicht schon schwer genug, müssen wir uns doch mit vielen Glaubenssätzen auseinandersetzen, kommen nun auch noch Übertragungen dazu, die uns Dinge annehmen lassen, die vielleicht gar nicht so sind. Sie machen alles nochmal einen Ticken komplizierter.

 

Die Übertragungen sind wahrhafte Meister der Verkleidung und machen uns gerne etwas vor, ich muss bei meinen eigenen Übertragungen mittlerweile nur noch Schmunzeln und gehe respekvoll mit mir um, wenn ich mal wieder in die Falle getappt bin, ja, ich lache sogar darüber, Humor ist oft ein guter Begleiter.

 

Doch was ist überhaupt eine Übertragung?

 

Das ist gar nicht so einfach, ist die Übertragung doch eine Verkleidungskünstlerin und so schwer zu fassen. Noch schwieriger macht es die Tatsache, dass wir unzählige Übertragungen tagtäglich ge-brauchen, um unser Leben, die Situationen und Menschen einschätzen zu können.

Aber es gibt hilfreiche Übertragungen und weniger hilfreiche oder eher "veraltete", wobei beide Varianten immer wieder gegengeprüft werden sollten. Das passiert bei vielen Übertragungen automatisch, bei einigen aber nicht und dann kann uns diese Übertragung im Weg stehen.

 

Kurz gesagt ist eine Übertragung ein Prozess, bei dem wir Erfahrungen aus unserer Vergangenheit heranziehen und diese auf aktuelle Geschehnisse übertragen, wir nehmen also an, dass etwas so ist, wie wir es in der Vergangenheit bereits gelernt haben.

 

Das ist im Alltag sehr hilfreich und notwendig, ohne diese automatisch ablaufenden Prozesse wären wir überfordert. Wenn wir alles was gerade passiert immer wieder neu überdenken und bewerten müssten, und zwar aktiv und nicht unterbewußt, wären wir schnell energielos und irgendwann müde und überfordert.

 

Als kleines Beispiel, wenn du in der Stadt einen alten Bekannten triffst, und ihr euch früher immer herzlich mit einer Umarmung begrüsst habt, wirst du wahrscheinlich diese Situation heranziehen, natürlich unterbewußt, und entscheiden, dass du diese Situation wieder so handhaben wirst. Du begrüßt deinen Freund herzlich mit einer Umarmung, dieser erwiedert die Umarmung, weil er auch Altbekanntes auf die neue Situation übertragen hat.

 

Das hat die Begegnung nun vereinfacht!

 

Es mag jetzt trivial erscheinen, aber unser Gehirn muss all diese kleinen Situationen immer wieder einsortieren und eine passende Entscheidung treffen, in Sekundenbruchteilen. Wir möchten darüber lächeln, aber mache nur mal eine Stunde den Selbstversuch und schreib dir jede Entscheidung auf, die du triffst:

 

Stehe ich jetzt auf, welches Bein zuerst, oh die Blase meldet sich, ich muss aufs WC, welchen Weg nehme ich, ziehe ich mir was über, putze ich mir vorher die Zähne oder danach, der WC Deckel muß angehoben werden.... wow... das sind verdammt viele Entscheidungen in wenigen Sekunden, mache das mal tagein tagaus, eine Meisterleistung!

 

Wie gut das es die Übertragung gibt, das macht die Sache einfacher. Noch dazu checkt unser Gehirn immer wieder, ob die Übertragung noch aktuell ist oder eine bessere Erfahrung (Vorannahme, Aktion, Umgang) diese ersetzen sollte. Wir lernen ja laufend dazu.

 

Als kleinen Selbsttest vervollständige doch mal folgende Sätze:

 

- Der Sommer war....

- Der Winter ist...

- Kuchen schmeckt...

- Mütter sind...

- Kinder sind...

 

Dir fällt sicher zu jedem Satz ruck-zuck ein Adjektiv ein. Das ist eine Übertragung. Aufgrund früherer Erfahrungen können wir die Sätze schnell einordnen und die Situation schneller überblicken bzw. die Person einschätzen.

 

Zumindest vorerst.

 

Wir stecken diese so schnell in "eine Schublade", aber dadurch das wir weitere Erfahrungen machen, aktualisieren wir diese und haben von den aktuellen Situationen vielleicht eine ganz andere Meinung als beim ersten Kontakt.

 

Das wäre die praktische Übertragung, die sehr hilfreich ist.

 

Nun gibt es aber noch die Übertragung, die nicht aktualisiert wurde, sie basiert auf veralteten Erfahrungen bzw. die Situation oder Person, die die Übertragung hervorruft, hat etwas an sich, das uns an eine alte Erfahrung erinnert und wir übertragen dann die alte Situation auf die neue Situation oder Person, obwohl es gar nicht passt. Vor lauter Übertragung wird mir hier nun ganz schwindelig, da kommt man sehr schnell durcheinander, ich möchte es dir an einem Beispiel verdeutlichen.

 

Stell dir vor du triffst eine wichtige Person, nehmen wir mal an du bekommst einen neuen Chef. Dieser erinnert dich wegen der Art wie er schaut und dem Tonfall in seiner Stimme an deinen Vater. Mit deinem Vater hast du aber gar kein gutes Verhältnis, er war immer sehr streng und alles was du gemacht hast, war für ihn nicht gut genug.

 

Genau diese Eigenschaften hat auch dein neuer Chef, denn innerhalb des ersten Tages hast du gleich den Anschein, das er streng ist und du ihm nichts recht machen kannst.

 

Aber Moment... ist das wirklich so?

 

Das ist die Frage, denn durch die Übertragung (Chef -> Vater) setzen sich die Eigenschaften deines Vaters bei deinem neuen Chef fest, dein Vater hat einen bleibenden Eindruck bei dir hinterlassen und umso schwerer ist es, diese Übertragung zu aktualisieren und sie auf den neusten Stand zu bringen.

 

Es kann so passieren das dich diese Übertragung hindert ein gutes Verhältnis zu deinem Chef aufzubauen und in deiner Karriere voranzukommen.  Aber nicht immer müssen es so tiefe Übertragungen sein wie mit einem Elternteil, manchmal sind es vermeintlich ganz lockere Erfahrungen, die dich doch ganz schön beeinträchtigen können.

 

Man könnte so sagen du hast eine Vorahnung. Wenn wir dies aber genauer anschauen, können wir eine Übertragung finden, die uns, wie im Beispiel, zum Vater führt.

 

Wie froh können wir sein wenn wir die Verknüpfung zum Vater so schnell finden, denn oft sind diese Übertragungen so maskiert, dass wir sie alleine nicht zuordnen können. Da ist ein geschulter Blick von Außen notwendig, der dich durch einen Prozess begleitet und dir hilft, die Verstrickungen zu sehen und zu lösen.

 

Und was ist jetzt eigentlich so schlimm an einer Übertragung?

 

Nehmen wir dazu mein vorher genanntes Beispiel mit deinem Chef, du wirst aufgrund dieser Übertragung eine schwere Zeit mit deinem Chef haben, wenn es echt schief läuft, wird eure Beziehung langfristig beeinflußt und du erhälst z.B. keine Beförderung da du dich ihm gegenüber immer so komisch verhälst oder du fühlst dich auf der Arbeit gemobbt, nicht Wert geschätzt und kündigst hinterher sogar selbst. Ok, das ist jetzt wirklich extrem, aber zu solchen Dingen kann es kommen. Im "weniger schlimmen Fall" bist du einfach nicht so glücklich wie du es eigentlich sein könntest und anstatt Freude auf der Arbeit zu empfinden findest du dich missverstanden und nicht am rechten Platz.

 

In der Fachliteratur gibt es noch verschiedene Unterteilungen und auch eine Gegenübertragung, die für dich aber zum groben Verständnis  keine Rolle spielen. Eine der Übertragung ähnlicher Prozess ist die Projektion, über diese schreibe ich in meinem nächten Blogartikel!

 

Wenn du meinen Artikel zu Glaubenssätzen noch nicht gelesen hast, möchte ich dir diesen ans Herz legen. Glaubenssätze beeinflussen uns ebenso unbewußt und hindern uns daran, die Person zu sein, die wir eigentlich sind.

 

Vielen Dank für deine Zeit, über einen Kommentar würde ich mich sehr freuen. Höre doch vielleicht auch mal in meinen Podcast rein under schau bei Instagram vorbei.

 

Bis bald,

 

Franziska

 

 

 

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